Geschmiedet für die Ewigkeit: Luftgekühltes Porsche-Tuning in Perfektion!

Es ist schon einige Jahre her, als wir uns auf irgendeinem Parkplatz eines Starbucks Cafés im kalifornischen Newport Beach in aller Herrgottsfrühe trafen. Das Jetlag hielt mich noch ganz fest umklammert, die US-Kollegen marschierten kurz nach 4 Uhr morgens gemeinsam mit Sidney Hoffmann schnurstracks ins Café, während mich ein Porsche auf dem Parkplatz in seinem Bann schlug. Die Starbucks-Plörre war vergessen.

An dem Luftgekühlten stimmte einfach alles! Der Porsche wurde nur für einen Zweck aufgebaut: schnelles Fahren! Bei dem 911 handelt es sich um den berühmten “Porsche Carrera Project Nasty” von Emotion Engineering.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der 964 irgendetwas mit mir anstellte. Nur wusste ich noch nicht was. Wie lang ich um den 911 schlich, weiß ich auch nicht mehr. Plötzlich tippte mich mein US-Kollege Chris Marion auf die Schulter, reichte mir einen Kaffee im Format “Super-Size-Me” und stellte mich Joey vor. Dazu meinte er lapidar, ich wäre jetzt Joeys Beifahrer.

Joey Seely, Motorsportingenieur und Geschäftsführer von Emotion Engineering, hat vor Jahren angefangen, diesen Porsche aufzubauen. Dazu riss er den Straßenwagen, der einmal ein Carrera 3.2 Baujahr 1985 war, in seine Einzelteile und ließ ihn mehr oder weniger als Rennwagen für die Straße wiederauferstehen.

Also nahm ich meinen Pott Kaffee und zwängte mich in die Recaro Schale. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich müsste jetzt noch einen Helm aufsetzen. Aber ich brauchte keinen, schließlich fuhren wir ja “nur” von Los Angeles nach Las Vegas. Vier Stunden pures Fahren. Kein Mietwagen, Jackpot!

In diesem Porsche gibt es keinen unnötigen Ballast. Radio oder gar einen mehr oder wenigen sinnbefreiten Show-Überrollbügel im Fond gibts hier nicht. Diese Rennmaschine braucht keine Show&Shine-Spielsachen. Das Einzige was der 911 brauchte, war jede Menge Kohlefaser.

Frei nach Colin Chapman “Mehr Leistung macht ein Auto auf der Geraden schneller, weniger Gewicht macht es überall schneller”, sorgte Joey für eine Kohlefaserdiät. Das Schiebedach flog samt dem gesamten Dach raus und dafür kam als “Dachhaut” ein mehrlagiges Kohlefasergeflecht an Bord. Ebenfalls aus Carbon und Kevlar sind Kofferraumhaube, Motorhaube und die Schürzen.

Der leer geräumte Innenraum beheimatet nun eine eingeschweißte Sicherheitszelle, die ebenfalls mit den vorderen Domen verbunden ist, um die Karosserie zu versteifen. Alle Schwächen des Straßenautos hat Joey aufwendig beseitigt – #becauseracecar!

Wenn für Euch Tuning weit mehr als nur Optik ist, wisst ihr, dass im Grunde die Rad-/Reifenkombination und das Fahrwerk nicht zu unterschätzen sind. Zuallererst gilt, Räder machen Autos. Ohne Wenn und Aber. Sind es doch die Felgen, die nicht nur darüber entscheiden, wie ein Auto aussieht, sondern allein schon durch ihr Eigengewicht einen großen Einfluss haben, wie Euer Auto beim Fahren performt. Stichwort: ungefederte Massen. In den letzten Jahren hat Joey schon unzählige Rad-/Reifenkombinationen an seinem Porsche 911 ausprobiert und am Ende des Tages kam er immer wieder auf leichte Räder zurück.

Unter den per Hand gezogenen Radhäusern sitzt ein BBS-18-Zollradsatz. Die dreiteiligen Leichtmetallfelgen im Design E88 sind mit Semislicks ummantelt. Verzögert wird mittels einer Brembo Bremsanlage und beim Fahrwerk setzt Joey auf ein KW Competition Rennsport Gewindefahrwerk mit dreifach leistungseinstellbaren Dämpfern.

Am Ende sind es nach wie vor Eure Bremsen, Räder, Reifen und das Fahrwerk, die dafür sorgen, dass ihr die Freiheit der Geschwindigkeit auch genießen könnt oder, ob ihr überhaupt jederzeit die Leistung auch auf die Straße bekommt.

Und Joey hat bei seinem Porsche nicht nur irgendeinen Motor unter der Haube. Sein 3,6-Liter-Sechszylinderboxermotor stammt aus dem Porsche 911 Carrera RS America. Lediglich 701 Exemplare wurden damals für den US-Markt angeboten. Mit den damaligen 250 Serien-PS war Joey natürlich nicht zufrieden und baute den luftgekühlten Boxer mit feinster Hardware neu auf.

Die Kurbelwelle ist beispielsweise aus einem 911 (996) GT3 Cup-Porsche, die geschmiedeten Pleuel und Kolben lieferte CP-Carrillo. Die Zylinderlaufbuchsen sind selbstverständlich bearbeitet und sämtliche Ventile samt ihren Federn wurden gegen Motorsport-Hardware ersetzt. Beim Motorsteuergerät kommt ein freiprogrammierbares Steuergerät von AEM zum Einsatz.

Joey versteht sein Handwerk. Bevor er bei BBI Autosport anheuerte und später seine eigene Werkstatt E-Motion Engineering gründete, erzählte Joey mir auf unserer Fahrt nach Las Vegas, dass er nach seinem Studium im Motorsport arbeitete. Dabei hatte Joey Stationen bei Petersen Racing und wirkte etwa beim Petersen / White Lightning Racing Porsche 911 (996) GT3 RSR  in Le Mans und der “American Le Mans Series” mit.

Joey war auch damals dabei, als Jeff Zwart mit seinem Porsche 911 (997) GT3 Cup Turbo die “Time Attack 1 Class” beim 2015er Pikes Peak International Hill Climb Rennen gewann. Joey ist in den USA auch einer unserer sogenannten “KW Suspensions Specialties” Partner.

So ist es auch kein Wunder, dass sein klassischer Porsche eine reine Fahrmaschine mit Suchtfaktor ist. Persönlich finde ich es ziemlich schade, dass Joey und sein Porsche leider in den USA beheimatet sind. Hier in Deutschland, wäre sein 911 eines der genialsten Track-Tools für die Nürburgring Nordschleife …

Und hier haben wir noch ein kleines “Road-Trip-Video”, von unserer Tour von Los Angeles nach Las Vegas.

Fotos Eddy Paesschezoone, KW

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