Ein echter Sundfor(d): Ford Escort mit BMW M3 Maschine und Custom-Silhouette

Jahrelang rottete dieser Ford Escort Mk II in einem finnischen Vorgarten vor sich hin. Ein Glück, das der Ford direkt auf dem Schulweg von Sebastian Sundfors vor sich hinvegetierte. Mit gerade erst 17 Jahren kaufte sich Sebastian dann 2006 für nur 900 Euro diesen Escort inklusive Getriebeschaden, Moos und jeder Menge Rost.

Nach über 15 Jahren und zig verschiedenen Ausbaustufen hat Sebastian keine große Lust mehr, an seinem Ford noch etwas umzubauen. Warum auch? Wer mag, kann seinen Escort kaufen, denn Sebastian hat schon ein neues Projekt in der Mache: Er reanimiert gerade einen Ferrari 308 GTB…

Die Türen sind aus GfK und lassen sich einfach abnehmen.

Aber zurück zu Sebastians Ford, denn auch die von 1974 bis 1980 gebauten Mk2 Escort sind vielen “Altblech-Fans” ans Herz gewachsen. So ist es auch kein Wunder, dass wir selbst für die “verrücktesten Projekte”, die in langen finnischen Wintern entstehen, dass eine oder andere Fahrwerk anfertigen.

Die ersten Schnapsideen nehmen ihren verhängnisvollen Verlauf

Zunächst sollte Sebastians Ford ja einfach nur ein Winterprojekt werden. Dazu wurde der Escort in seine Einzelteile demontiert und erst dabei wurde dem Finnen bewusst, was für eine Rostlaube er da im jugendlichen Leichtsinn gekauft hatte. “Die ganzen Dichtungsgummis waren fritte und selbst durch das Schiebedach hatte es hineingeregnet”, erinnert sich Sebastian mit einem Grausen an das Feuchtbiotop unter den Teppichen und Verkleidungen.

Beim umfangreichen Neuaufbau kam Sebastian dann die Schnapsidee, dass durch die investierte Arbeit und der vielen Zeit der Ford dann doch viel zu schade fürs Eisdriften im Winter wäre. Viel besser wäre es doch, mit dem Ford im Sommer und im Winter über die Forstwege zu heizen. Mehr oder weniger der inoffizielle Volkssport finnischer Petrolheads, die daraus mehr oder weniger ihre Berufung daraus machen; nicht so aber Sebastian. Zunächst flog der alte 1,3-Liter-Motor raus und ein 1,6-Liter kam an Bord.

Aber auch die 1,6-Liter Hubraum waren auf Dauer nicht wirklich das Wahre. Aus einem Spender-Escort folgte ein Getriebe samt Zwoliter-Motor, den Sebastian mit SK Racing Vergasern frisierte. Die alte Hinterachse ersetzte er gegen eine modifizierte Volvo-740-Vierlenkerhinterachse mit Panhard-Stab und die Seriendämpfer wichen in der Druck- und Zugstufe unabhängig einstellbaren Dämpfern.

Aber irgendwann war die alte Pinto-Maschine bei aller Liebe und den getunten 120 PS nicht mehr wirklich das Gelbe vom Ei. Auch an der anfänglichen Idee eines Rallye-Escort hatte Sebastian sein Interesse verloren und nach einem allzu heftigen Straßeneinsatz waren auch die Noname-Dämpfer im Eimer.

Neue Schnapsidee: Ein SR20DET muss unter die Haube

“Ich kaufte mir einen SR20DET aus einem Nissan S13 und fing an, mir Gedanken über ein Eigenbau-Bodykit zu machen und den Ford in ein Tracktool umzubauen. Durch einen Zufall entdeckte ich einen 2,5-Liter-BMW-Motor für einen super Preis.”

Eigentlich sollte der BMW-Motor in eine M3-Replika eingebaut werden, aber Sebastian machte den Fehler, den S14 in den leeren Motorraum seines Escorts per Motorkran zu hieven. Irgendwie schien der Motor da perfekt reinzupassen, da sich im Laufe der Umbaujahre der Ford ja immer mehr in eine Gitterrohrrahmenkarosse mit Escort-Anleihen verwandelte.

Aber so wirklich geschraubt hatte dann Sebastian nicht mehr. Er fing 2009 an, Maschinenbau zu studieren und 2013 mit dem Master abzuschließen.

Fast sieben Jahre Pause, dann ein radikaler Neuanfang

“Zwischen 2015 und 2017 fing ich an, ein Haus zu bauen, heiratete, wurde Vater und machte beim Hausbau den Fehler, den in der Garage stehenden M3-Motor zu verkaufen. Na ja, wie ihr seht, habe ich dann wieder einen S14-Motor gekauft. Mit einem Teil der Mitgift meiner Frau”, grinst Sebastian.

Dass der Ford aber heute so gut dasteht, wie ihr auf den Bildern aus dem Sommer 2021 seht, liegt einfach daran, dass ein Kumpel Sebastian damit überraschte, seinen Escort für die Bilsport Performance & Custom Show 2018 anzumelden. Das war in gewisser Weise die Fremdstarthilfe, damit Sebastian innerhalb von sechs Monaten so richtig Vollgas mit dem Umbau gab.

“Ich spannte meine Kumpels und meine Brüder Benjamin und Emanuel ein; die zum Glück alle mithalfen”, bedankt sich Sebastian. Auch seine Frau Cecilia sprang den Schraubern mit zur Seite und kümmerte sich beispielsweise um die diversen Stoffverzierungen im Interieur.

Im Grunde sind eigentlich nur noch die A-, B- und C-Säulen sowie Teile des Fahrgestells an dem 1979er Escort halbwegs original geblieben; während ein Großteil der nicht tragenden Karosserieelemente aus Eigenbau-Carbonteilen, Aluminium, GfK und neuen Blechteilen angefertigt wurde.

Aus diesem Grund ist auch der anfängliche Überrollbügel mit Flankenschutz längst zur selbst geschweißten Sicherheitszelle mit Gitterrohrrahmen angewachsen. Selbstverständlich fest mit den Resten der originalen Karosserie verschweißt.

Direkt über das AIM MXP Strada Display werden alle Funktionen des nachgerüsteten CAN-BUS-Systems gesteuert und die Motorelektronik angepasst.

Spätestens beim Blick ins Cockpit fallen die schwarzen Verkleidungen am umgeschweißten Getriebetunnel und dem Bodenblech auf. Dabei handelt es sich um schwarz pulverbeschichtete Aluminiumplatten, die Sebastian mittels Edelstahlschrauben befestigte. “Ich kann die Platten und Verkleidungen einfach ausbauen, umso leichter den Ford im Fall der Fälle zu warten”, grinst Sebastian. “Auch Teile der Spritzwand sind ausbaubar.”

Die Beinarbeit in diesem brachialen Ford Escort erfolgt auf einstellbaren Stehpedalen. So zu kaufen gibt es die nicht wirklich. “Die habe ich selbst mit verschiedenen Komponenten gebaut; genauso wie meine in der Höhe einstellbare Lenkradsäule und vieles mehr”, so der Ingenieur, der in seinem Berufsalltag Treibstofftanks für die Schifffahrtsindustrie entwickelt.

Ebenfalls ein Eigenbau ist das gesamte Bodykit mit seiner “Flip-Front”. Die aus Kohlefaser und GfK gefertigte Motorhaube lässt sich samt Grill, Scheinwerfern, Stoßleisten, Spoilerschwert sowie den Blech-Kotflügelverbreiterungen abnehmen.

Ein wunderschöner Anblick: die mit Carbon verkleidete Ansaugbrücke mit der Einzeldrosselanlage. Auf unsere Frage, wo es diese denn so zu kaufen gibt, meint Sebastian, das wäre ein Eigenbau. Sie basiert auf der Hardware eines BMW M5.

Kein Eigenbau ist dagegen das zweifach leistungseinstellbare KW Competition Gewindefahrwerk. Das ist made in Fichtenberg. Um es speziell auf den Ford anfertigen zu können, hat uns Sebastian dazu einfach alle technischen Daten seiner selbst konstruierten Lenk- und Achsgeometrie gesendet. Mit dabei auch das Fahrzeuggewicht, die Gewichtsverteilung, gewünschter Federweg, Rädergröße, Reifendimension sowie angestrebte Motorleistung.

Daraufhin haben unsere Kollegen von der KW Motorsport- und Sonderbauabteilung eine Fahrwerk-Maßanfertigung für den Gitterrohrrahmen-Escort gemacht. Das ist für uns bei KW keine große Herausforderung, denn im Grunde ist jedes bei uns gefertigte Gewindefahrwerk eine Einzelanfertigung.

Im Showroom vom KW Fachhandelspartner Laptime Performance im oberbayrischen Finsing bei München.

Wenn sich jemand bei einem unserer KW Fachhandelspartner oder direkt bei uns ein Gewindefahrwerk der Marken ap Sportfahrwerke, KW suspensions oder ST suspensions bestellt, fangen wir in Fichtenberg mit der Fertigung an.

Altes “Making of Video” des KW V3 Gewindefahrwerks von 2017.

Das ist auch bei unseren Fahrwerken wie beispielsweise KW V1 (KW Variante 1), KW V2 (KW Variante 2), KW V3 (KW Variante 3), KW V4 (KW Variante 4) und KW V5 (KW Variante 5) und allen anderen in unseren Katalogen bzw. im Online-Shop (KW Produktfinder) gelisteten Gewindefahrwerken so. Warum? Wir haben keine Glaskugel und wissen ja nicht, wann, wo und für welches Automobil sich jemand mit einem unserer Gewindefahrwerke belohnen will.

Unsere gesamte Fertigung haben wir hier in Fichtenberg so perfektioniert, dass wir von den rund 400 Fahrwerken, die wir täglich anfertigen, etwa 350 bis zu 380 Gewindefahrwerk die Losgröße eins haben. Oder anders ausgedrückt wir bauen um die 350 unterschiedliche Gewindefahrwerke für 350 verschiedene Autos.

Für Sebastians Gitterrohrrahmen-Ford mit seiner selbst konstruierten und modifizierten Achsgeometrie haben wir dann, wie eingangs erwähnt eine Maßanfertigung gemacht. Sein KW Gewindefahrwerk basiert auf einem Rennsportfahrwerk, einem KW Competition Fahrwerk in Upside-Down-Ausführung.

Und weil das einfach so schön anzusehen ist, zeigen wir dieses Bild in GROSS und freuen wir uns umso mehr, dass Sebastians Kumpel Daniel Käldström von Dk Films auch so schöne und viele Bilder von dem Fahrwerk gemacht hat.

Bei vielen Rennsportfahrwerken, egal, ob sie zwei-, drei-, vier- oder fünffach leistungseinstellbar sind, setzen wir bei MacPherson-Achskonstruktionen meistens auf KW Motorsportdämpferpatronen in Upside-Down-Ausführung. Warum? Weil dann beispielsweise die Kolbenstange keine direkten Radführungseigenschaften mehr hat.

Dieses kapitale Stück Motorbaukunst ist ein BMW S14B25. Die Drehorgel aus dem von Januar bis März 1990 gebauten BMW M3 Sport Evolution. Bei 7000 Touren hatte der 2,5-Liter-Vierzylindersauger eine Leistung von 238 PS.

Ein bisschen zu wenig für den Finnen. Der als Autonerd natürlich längst wusste, dass ein auf den reinen Motorsporteinsatz umgerüsteter S14B25 damals bis 360 PS mobilisieren konnte. Und so ist Sebastians Motor mit Wössner-Schmiedekolben, Schrick-Nockenwellen, Köhler Racing Trockensumpfschmierung und vielem mehr revidiert worden.

Die Einzeldrosselanlage aus dem BMW M5 (S38B38) ist mit einer Ansaugbrücke aus Carbon verbunden und der Luftfilterkasten kommt aus dem 3-D-Drucker von BBT Motorsport.

Aber noch viele andere Teile wie die Befestigungen der Ausgleichsbehälter für das KW Gewindefahrwerk, diverse Halterungen und vieles mehr stammen aus dem 3-D-Drucker. “Wir haben da einen Carbon-Verbundwerkstoff (PA-CF) verwendet”, verrät uns der Ingenieur.

In Verbindung mit der Auspuffanlage sowie der überarbeiteten Motorsteuerung (Motec M84 ECU) kletterte die Serienleistung des BMW M3 Motors auf 300 PS. Auch ein modernes CAN-BUS-System kam an Bord und über das Motec PDM Zusatzsteuergerät lässt sich die gesamte Elektrik individuell steuern – inklusive Benzinpumpe, Scheibenwischer und Zusatzmotorlüfter.

Das ZF-Fünfgang-Schaltgetriebe (ZF S5-31) hat Gearmotive überarbeitet und komplett neu synchronisiert. Die Eigenbau-Auspuffanlage mit ihrem Abgaskrümmer schlängelt sich unter dem Unterboden entlang und endet in zwei Motorradschalldämpfern. “Die sind von Yoshimura und waren eigentlich für eine Hayabusa gedacht”, gibt Sebastian unverwunden zu, da er sowieso auf eine Straßenzulassung bei seinem Ford pfeift.

Der Tank ist selbstverständlich ein Eigenbau und wurde mit einer Hochleistungsbenzinpumpe samt Zusatzpumpe und CatchTank auch in Fond und Kofferraum verfrachtet. Und ein Airjack-System gibts natürlich auch – #becauseracecar!

Das eingebaute KW Gewindefahrwerk in diesem Ford Escort basiert auf einem Motorsportfahrwerk

Bei der Komplettlackierung spielte der Finne am Anfang noch mit dem Gedanken, das bekannte Nardograu von Audi zu verwenden, aber am Ende wurde es ein Stahlgrau (RAL7037).

KW Gewindefahrwerke können für fast jedes Automobil gebaut werden.

Abgerundet wird der Umbau natürlich mit Makrolon- und Plexiglasverglasung, Scheibentönung, schwarz getönten Rückleuchten und einer Kofferraumabrisskante aus Kohlefaser. Alles sehr schön anzuschauen.

Bei den mehrteiligen Leichtallrädern handelt es sich um mehrteilige Japan Racing JR26-Räder in 10 x 17 Zoll ET0 rundum. Aufgezogen sind 245/35-17 Hankook Sportreifen und die Bremse stammt von K-Sport. “Das ist eine extra angefertigte Sechs- und Vierkolbenanlage mit jeweils 286 mm großen Bremsscheiben.

Dieser Ford Escort mit seinem KW Gewindefahrwerk stammt aus Finnland

So schön der Ford auch ist, irgendwie hat Sebastian es eigentlich nie geschafft, den Escort zu fahren: “Eigentlich ist das alles irgendwie aus dem Ruder gelaufen. Inklusive dem einen oder anderen Fotoshooting, Einstellfahrten und Testläufen bin ich am Ende nur 600 Kilometer hinter dem Lenkrad gesessen…”

KW Gewindefahrwerk im Sonderbau für einen Ford Escort MK 2

Momentan hadert Sebastian wirklich noch mit sich selbst, ob er seinen Ford wirklich verkaufen soll oder nicht. Wer mag, kann sich ja gerne bei ihm auf Instagram (https://www.instagram.com/sebastiansundfors/) melden, nicht, dass der Escort sich noch in einen Zakspeed Gruppe 5 “Escort-Capri” verwandelt, was aber ziemlich cool wäre …

Fotos privat, Daniel Käldström (Dk Films)

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