Vorbereitung zum Pikes Peak International Hill Climb

Dieser Motorsportveteran im Rennanzug ist im US-Motorsport fast eine lebende Legende und dabei nicht nur auf dem Pikes Peak in Colorado zu Hause. Aber was ist das für ein Rennwagen, wenn selbst der abgebrühte und mit allen Wassern gewaschene “Berg-Pilot” Jeff Zwart sein Handy zückt und sein Arbeitsgerät fotografiert?

Jeff, Jahrgang 1955, ist eigentlich von Beruf Werbefilmer, Fotograf, Kameramann, Buchautor und nebenbei passionierter Rennfahrer, dessen Herz für Porsche schlägt.

Bei seinem ersten Besuch des “Pikes Peak International Hill Climb” alias “Race to the Clouds”-Bergrennens 1994 gewann er in einem Porsche auf Anhieb die “Open Class Championship”. Mit über zehn verschiedenen Porsche-Modellen war er bereits in Colorado am Start und siegte in acht Klassen.

Der eine oder andere Porsche-Enthusiast wird den Amerikaner wohl auch durch seinen Auftritt im YouTube-Teaser “The Road to Pikes Peak Hill Climb” kennen. Damals fuhr er mit einem Porsche 911 GT2 RS “Straßenauto” von Kalifornien auf den eigenen vier Rädern direkt an den Start in Colorado. Oder vielleicht erinnert ihr Euch auch noch ans #LUFTAUTO – einem Porsche 911 Safari? Auch bei diesem Projekt war Jeff gemeinsam mit uns involviert.

Pikes Peak? Da war doch was?

Ja, das ist der Berg in den Rocky Mountains auf dem sich “der Lange” alias Walter Röhrl auch fern des Rallye-Sports mit einem Audi sport quattro verewigte.

In den vergangen Jahren fuhren und siegten zahlreiche KW Rennsportkunden ebenfalls am “amerikanischsten Berg” Amerikas. Die heute asphaltierte Straße schlängelt sich vom Start auf 2.862 Metern mit über 155 Kurven auf den 4.301 Meter hohen Gipfel. Die Rennwagen müssen dabei auf den 19,99 Kilometern Distanz eine durchschnittliche Steigung von sieben Prozent und 1.440 Höhenmeter überwinden.

Auch 2020 mischt Jeff Zwart wieder am Pikes Peak mit und natürlich mit einem Porsche. Einem ganz besonderen Porsche. Der Porsche ist so besonders, dass er für viele schon heute als eine Legende zählt.

Bei dem Carbon-Racer handelt es sich nicht um ein Einzelstück eines Tuners, sondern der in einer Kleinauflage von 77 Exemplaren gebaute Porsche 935 (2018) ist eine Hommage. Eine Liebeserklärung von Porsche an einen in einer längst vergangenen Motorsport-Ära erfolgreichsten Rennwagen, dem Porsche 935 auf Basis des Porsche 911 Turbo (930). Mit diesem Porsche gewann der Automobilhersteller von 1976 – 1979 vier Jahre in Folge die Markenweltmeisterschaft – aber nicht nur die!

Ob in der IMSA-GT-Serie oder beim 24h-Rennen von Le Mans, die Erfolgsserie des Porsche 935 riss nicht ab. Selbst heute noch zählt der originale Porsche 935 mit zu den erfolgreichsten Rennwagen aller Zeiten. Und nach dem Porsche selbst nicht mehr mit einem 935 antrat, siegte der 935 in Hand von finanzkräftigen Privatiers weiter.

Aber auch die moderne Hommage ist nicht für Jederfrau und Jedermann zu haben. Dabei soll nicht die Rede vom Kaufpreis von 701.948 Euro (netto) sein. Geld gibt es genug, aber Porsche verkauft eben seine “Filetstücke” nicht an jede oder jeden.

Wer 2018 oder 2019 einen Porsche 935 (2018) haben wollte, musste schon eine exklusive Porsche-Vita vorweisen, um auf die Warteliste der Interessenten zu kommen. Der 935 mit der Produktionsnummer 19 von 77, ist aus dem Fuhrpark des Porsche-Sammlers Bob Ingram, der in den USA eine der größten und abwechslungsreichsten Porsche-Sammlungen hat.

Unser KW Fachhandelspartner Emotion Engineering in Newport Beach Kalifornien betreut Jeffs Start beim Bergrennen. Joey Seely war vor seiner Selbstständigkeit jahrelang Rennsportingenieur bei verschiedenen Porsche-Motorsportteams und zählt an der Westküste mit zu den Top-Adressen für luftgekühlte und wassergekühlte Porsche.

Während Joey mit unseren Kollegen von KW automotive North America im Willow Springs International Motorsports Park mit diversen Reifenmischungen und Setupeinstellungen am Porsche 935 experimentierte, kümmerte sich Cam Ingram, Sohn von Bob Ingram, von der Firma Road Scholars um die verschiedenen Motormappings.

Der Porsche 935 basiert im Grunde unter seiner Carbonhaut auf einem Porsche 911 GT2 RS und wird von einem 700 PS starken 3,8-Liter-Biturbo-Sechszylinderboxermotor angetrieben.

Für den Gipfelsturm auf den Pikes Peak ist nicht nur die Strecke an sich eine Herausforderung, sondern auch die mit jedem Höhenmeter dünner werdende Luft macht es für die Technik spannend.

Wer sich von Euch noch an unseren Messeauftritt auf der Essen Motor Show 2019 erinnert, weiß, dass die 77 gebauten Porsche 935 längst ausverkauft sind und vom Band mit einem KW Fahrwerk rollten.

Dabei handelt es sich um ein dreifach einstellbares Motorsport-Fahrwerk. Für die Vorderachse fertigen wir direkt in Fichtenberg die MacPherson-Federbeine mit KW SingleTube-Dämpfer in Up-Side-Down-Ausführung.

Am Vorderachsfederbein werden die Zugstufenkräfte direkt am unteren Ende des Up-Side-Down-Federbeins (inverted monotube) eingestellt. Die Druckstufenkräfte dagegen, werden über die Ventile für die Highspeed- und Lowspeed-Druckstufe im Ausgleichsbehälter abgestimmt.

Abbildung eines älteren KW Competition 3A Rennsportfahrwerks in Up-Side-Down-Ausführung mit der alten Klickrasterung am Ausgleichsbehälter

Da die Zugstufe nicht wie bei einem Zweirohrdämpfer am oberen Ende der Kolbenstange über das Einstellrädchen geändert wird, sondern unten am Dämpfergehäuse, spricht man von einem “Up-Side-Down”-Federbein oder einem Fahrwerk in “Up-Side-Down”-Ausführung.

An der Antriebsachse werden die KW Single-Tube Dämpfer nicht in Up-Side-Down-Ausführung aufgebaut; aber auch hier befinden sich die Druckstufenventile im Ausgleichsbehälter. Die Zugstufe wird direkt über das Einstellrädchen an der Kolbenstange eingestellt. Bei diesem Rennsportfahrwerk können übrigens die Dämpfer mit jeweils 18 exakten Klicks eingestellt werden.

Wir erhalten immer viele Anfragen von unseren Fans, ob ein KW Competition Rennsportfahrwerk auch etwas für den Alltag wäre. Hierauf eine Antwort zu geben ist nicht gerade leicht. Im Grunde ist ein KW Rennsportfahrwerk ausschließlich für den professionellen Motorsport entwickelt worden.

Deshalb sind diese Fahrwerke auch nicht in unserem Online-Shop gelistet oder im normalen Automobilzubehörhandel erhältlich, sondern ausschließlich ausgewählte KW Fachhandelspartner vertreiben neben uns die KW Rennsportfahrwerke. Ein Teilegutachten ist für unsere Rennsportfahrwerke auch nicht erhältlich, denn es handelt sich dabei um kompromisslose Performance-Komponenten für den professionellen Motorsporteinsatz.

Qualitätstest einer KW Competition 3A SingleTube Dämpferpatrone

Aber nicht nur das “fehlende” Teilegutachten unterscheidet ein KW Competition Fahrwerk beispielsweise von einem KW Gewindefahrwerk Variante 1; auch die gesamte Auslegung ist anders. Kompromissloser. Wer von Euch jemals einen Rennwagen auf einer Rennstrecke bewegt hat, wird sofort wissen, was wir meinen.

Aber vielleicht könnt ihr mit folgendem Vergleich etwas mehr anfangen. Ein Gewindefahrwerk für die Straße ist in etwa so komfortabel wie ein Doppelkupplungsgetriebe im Alltag, während ein Rennsportfahrwerk eher an eine Motorsportkupplung erinnert.

Die bei einem Rennsportfahrwerk verwendeten Komponenten und die gesamte Fahrwerkauslegung ist für den maximalen Grip, maximale Kurvenstabilität und ständiges Fahren am Limit konzipiert. Auch das Räubern über Curbs muss ein Rennsportfahrwerk und die ganzen weiteren Fahrwerkkomponenten wegstecken können.

Nicht von ungefähr, heißt es ja, dass ein einziges 24h-Rennen in der Grünen Hölle in etwa dem Verschleiß eines durchschnittlichen (Serien)Autolebens entspricht …

Manchmal sorgt aber auch der Begriff Competition im Tagesschäft bei einigen unserer Kunden für Verwirrung, da unsere Kollegen von der KW Competition Rennsportabteilung, auch für die KW Sonderbau- und Einzelanfertigungen zuständig sind.

Wir sind einer der wenigen Fahrwerkhersteller die unter einem Dach einfach alles bieten und selbst für die Automobilindustrie eine Art “Fahrwerk-A-Team” sind, wenn andere kapitulieren. Es gibt kaum ein Fahrzeug für das wir kein Fahrwerk anbieten oder als Sonderbau bauen können. Wenn es mal nicht mit einem Sonderfahrwerk klappen sollte, liegt es in diesem Falle am veranschlagten Budget …

Die Porsche 935 sind längst alle ausverkauft und so freut sich Jeff Zwart umso mehr, dass er mit einem 935 am Pikes Peak fahren kann. Denn auch im professionellen Motorsport scheint es aktuell für den Porsche 935 keine Meisterschaft oder Serie zu geben, was die 77 (Teilzeit)-Rennwagen noch viel exklusiver als einen Porsche 911 GT3 R macht …

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