Rauh Welt Begriff Hibiki auf der EMS: Englands erster RWB Porsche setzt auf KW!

Diese Farbe, dieses Licht, diese Räder und diese Formen – im Showground der Essen Motor Show haderte ich mit der Blende, der ISO und der Belichtung. Ich bekam es einfach nicht auf die Reihe, das Lackkleid von Hibiki so einzufangen, wie das Licht tatsächlich im orangen Farbton reflektiert wird. Aber warum sich darüber aufregen. In keinem Video, auf keinem Blog und selbst in keiner Zeitschrift haben es die Kollegen wirklich geschafft, das “Sunset-Pearl-Orange” so abzulichten bzw. abzubilden, wie die Farbe tatsächlich im Sonnenlicht ist.

Vielleicht sollte ich einfach mal Max’ alte analoge Pentax 67 Mittelformat-Kamera aus dem Ärmel leiern, mir ein Stativ schnappen und nach offiziellem Messebetrieb meine persönlichen Highlights fotografieren. Denn dann könnte ich das warm leuchtende Sunset-Pearl-Orange viel realistischer “einfangen”. Leider können viele Redaktionen keine analogen Bilder mehr verarbeiten. Aber das wäre doch schon mal eine Idee, einen Rauh Welt Begriff Porsche mit einer Kamera zu fotografieren, die genauso alt wie der jeweilige 911er ist.

Bei Hibiki, so heißt übrigens der 964 von Raj Jagdev Proud und seinem Vater Jag, wäre das analoge fotografieren gar nicht mal so schwer. Als ihr 911er 1991 gebaut wurde, gab es schon längst analoge Kameras mit Autofokus und die ersten Gehversuche einer Bildstabilisierung. Die beiden Briten, die unter dem Label “Profusion Customs” Auspuffanlagen bauen, sind übrigens die Ersten, die auf den Britischen Inseln einen RWB-Porsche von Akira Nakai bauen ließen.

Wer die Faszination Rauh Welt Begriff schon etwas länger verfolgt, weiß, dass nicht jeder einen RWB fahren kann. Nein, ich meine jetzt nicht das Budget. Sondern selbst wenn jemand die rund 30.000 Euro für einen RWB-Umbau bezahlen kann, kann dieser nicht einfach den RWB-Onlineshop aufrufen und dort einen Bausatz bestellen. In der RWB-Community ist das ein wenig anders. Hier zählt noch die alte Knigge: Geschäfte werden zwischen Menschen abgeschlossen. Wenn Akira Nakai und sein “innerer Zirkel” mit dem potenziellen RWB-Interessenten nicht auf derselben Wellenlänge schwimmen, wird kein RWB für ihn gebaut. So einfach ist das.

Die beiden Briten und Akira Nakai teilen zum Glück denselben Porsche-Enthusiasmus. Raj Jagdev und sein Vater entschieden sich für den 964-RWB-Widebody und ließen ihn noch mit zusätzlichen Kotflügelabrisskanten und Entlüftungsöffnungen verändern. Ein Stil, den damals auch Sidney Hoffmann für seinen “RWB Furusato” wählte. Auch beim Heckflügel gleichen sich die beiden “RWB” ein wenig. Dabei ist Sidneys erster RWB ein 993 und die Briten wählten einen 964 als “Rauh-Welt-Basis”.

Beide RWB Porsche sind wie so viele Porsche ebenfalls mit einem KW Gewindefahrwerk ausgerüstet. In UK entschied man sich für das in der Druck- und Zugstufe unabhängig einstellbare KW V3 und erweiterte es an der Vorderachse noch mit unserem hydraulischen Liftsystem: dem KW HLS.

Beim HLS handelt es sich um eine hydraulische Hubzylindereinheit, die zwischen dem Federteller und der Feder direkt am Federbein montiert wird, und auf Knopfdruck ein Anheben der Karosserie um 45 Millimeter ermöglicht. Im Vergleich zu Anwendungen mit Luftbälgen hat das KW HLS auch den fahrdynamischen Vorteil, dass die eingesetzten KW Federn perfekt auf das jeweilige HLS-Kit und Fahrzeug abgestimmt sind und sich die Federrate weder bei aktiviertem oder deaktiviertem Hydraulic Lift System ändert.

Das HLS ist nicht bei RWB-Fahrern immer die letzte Rettung, wenn die Performance und die Alltagstauglichkeit nicht leiden sollen. Denn wer möchte seine RWB-Frontschürze einer Parkhausrampe oder einer Temposchwelle opfern?

Mein persönliches Highlight an Hibiki sind die raren japanischen Work Meister S1 Felgen in 10,5 x 18 Zoll ET -1 und 13 x 18 Zoll ET-71 mit Custom-Felgensternblende. Zwar hat der RWB noch einen umfangreichen Motorumbau erhalten und auch die gesamte Technik sowie das Interieur überarbeitete der britische Familienbetrieb Profusion Customs (www.profusioncustoms.com); aber das Felgendesign und Reifendimension stellt das alles in den Schatten. Lasst Euch einfach nur mal  255/35-18 und 335/30-18 auf der Zunge zergehen – und das Ganze noch an einem 964er!

Kein Wunder, dass die sogenannten “Royal Wide Arches” so breit ausfielen. Übertrumpft wird das eigentlich nur noch von dem RWB-GT2-Flügel mit Champion-Spoiler. Auf der Essen Motor Show 2017 war Hibiki übrigens nicht der einzige RWB-Porsche und in dem ganzen Gedränge am Wochenende, habe ich mindestens drei Umbauten entdeckt – wie viele habt ihr eigentlich so in Essen gefunden?

Text/Fotos Nick K. Hofmeister

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