Böse: Keine 1000 Kilo Gewicht und bis zu 375 PS im Momo 356 RSR Outlaw

Bereits seit knapp sechs Jahren sorgt ein Porsche 356 von Rod Emory für Gesprächsstoff. Dabei gab es damals von dem Porsche nur eine Hand voll von Renderings, die in zahllosen Blogs und Facebookprofilen geteilt wurden. Knapp sechs Jahre kommt die Geschichte langsam zu einem Ende …

Auf die Renderings stieß auch Henrique Cisneros, Vorsitzender der Momo Automotive Group, und kurzerhand meldete sich der Momo-Boss bei Rod Emory und beauftragte ihn, den gerenderten und auf den Namen Porsche 356 RSR Outlaw zu bauen. Rod Emory, Spross der legendären “Emory Customizing Dynastie”, die ihre Anfänge Ende der 1940er Jahre mit Rods Großvaters Valley Custom Shop nahm.

In den Sechzigern fingen Rods Vater Gary und sein Opa Neil an, für Chick Iverson Porsche zu arbeiten. Dadurch entdeckten sie ihre Liebe für Fahrzeuge made in Germany und bauten später beispielsweise auch einen der ersten “Baja Bugs” auf Basis eines VW Käfers auf. In den Siebzigern wechselten sie die Automobilmarke und konzentrierten sich vorwiegend auf Porsche-Modelle; wobei seit über 20 Jahren die “Emory’sche Leidenschaft” vor allem außergewöhnlichen Porsche auf Basis des 356, dem ersten Porsche Serienmodell, gilt.

In den USA war der 356 RSR Outlaw in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen “Rohbau-Phasen” bereits auf verschiedenen Events zu sehen und schon damals war der Rohbau spektakulär. Langsam nähert sich aber das Projekt seinem Ende. Beim RSR Outlaw ist die komplette Radaufhängung im Grunde ein Mix verschiedener Porsche-Komponenten und -Modelle; wie etwa Porsche Carrera (964) RSR Radnaben mit Zentralverschluss, dazu passender Brembo Bremsanlage und Eisenlohr Racing Achsteilen sowie Tarrett Engineering Stabis.

Beim Fahrwerk handelt es sich um ein in der Druck- und Zugstufe unabhängig einstellbares KW Gewindefahrwerk Variante 3, das an beiden Achsen noch mit einem hydraulischen Liftkit (KW HLS) kombiniert wurde. Hydraulisch kann dann der “Outlaw” um bis zu 45 mm an beiden Achsen angehoben werden, um im Großraum die zahlreichen Temposchwellen überwinden zu können. Übrigens, für Porsche 356 Liebhaber, die ihren Klassiker restaurieren und mit modernen Dämpfern ausrüsten wollen, haben wir auch die eintragungsfreien KW Variante 2 Dämpfer entwickelt, die selbstverständlich mit den Seriendrehstabfedern genutzt werden können.

Bei den Felgen handelt es sich um die Momo Hertiage 5 Leichtmetallfelgen, die im Grunde auch die Designgrundlage für die aktuellen Momo Hertiage 6 Räder waren. Am RSR Outlaw messen die schwarzen Einteiler mit ihren fünf Speichen und Zentralverschlussanbindung an der Vorderachse 7 x 17 Zoll und an der Hinterachse 8 x 17 Zoll.

Ummantelt sind die Momo-Felgen mit Pirelli P Zero Trofeo R Motorsport-Gummis in 245/45-17 und 255/40-17. Die Bremse stammt vom Brembo und bei den Scheiben, Belägen und Bremssätteln handelt es sich um Motorsport-Hardware. Warum? Das ist ganz einfach erklärt: der Outlaw hat auch ordentlich Power zur Verfügung!

Auf der SEMA zeigte uns Rods Dad Gary (links im Bild) die ganzen zahllosen Feinheiten und Besonderheiten am Outlaw RSR und gab uns einen Crashkurs in der Firmengeschichte. Typisch für Emory Motorsports Fahrzeuge sind die zahllosen per Hand gefertigten Aluminium- und Blechkarosserieteile. Das Besondere an den ganzen Emory Motorsports 356 ist aber nicht nur die erstklassige Handwerkskunst, die die Amerikaner dabei an den Tag legen, sondern vor allem die luftgekühlten Emory-Rothsport-Vierzylinder-Boxermotoren.

Bei den Motoren handelt es sich im Grunde um Emory-Rothsport-Eigenbaumotoren auf Basis der 3,6-Liter-Boxermotoren mit Trockensumpfschmierung aus dem Porsche 964. Die Amerikaner entwarfen ein Vierzylindergehäuse und lassen es im Sandgussverfahren gießen. Die Nockenwellengehäuse fräsen sie aus Aluminium. Früher wurde bei Emory Motorsports die Sechszylindermotoren noch demontiert, um zwei Kolben gekürzt und wieder zusammengeschweißt.

Dazu kommen noch selbst gefertigte Kurbelwellen und je nach Leistung und Kundenwunsch verschiedene Nockenwellen. Der große Vorteil laut Gary Emory ist, dass ihre Motoren auch perfekt mit originalen Porsche-Motorkomponenten kompatibel wären und sie die Motoren je nach Kundenwunsch mit 2,4 Liter, 2,5 Liter oder 2,6 Liter Hubraum bauen. Auch Turbo-Versionen sind natürlich erhältlich. Die Gemischaufbereitung erfolgt dabei über eine Rothsport-Einspritzung und das gesamte Motormanagement läuft über ein frei programmierbares Motec-Steuergerät.

Beim Outlaw RSR mit seinem 2,5 Liter Boxer mit Elgin Nockenwellen und 100 mm Kolben, entschieden sie sich auch noch dazu, den Motor mit zwei Garrett-Turbos aufzuladen. Selbstverständlich kann per “Dampfrad” der Ladedruck direkt aus dem Cockpit eingestellt werden. Je nach Ladedruck leistet der luftgekühlte Vierzylinder-Turbo-Boxer zwischen 325 und 375 PS – nicht schlecht für einen Wagen, der keine 1000 Kilogramm wiegt.

 

Über die Lufteinlässe hinter den Türen wird dem Motor Frischluft zu gefächelt. Vorne ist der Radium-Auto-Benzintank samt Catchtank untergebracht. Typisch Outlaw-Style: die Entlüftungskiemen in den Kotflügeln. Beispielsweise ließ sich auch Magnus Walker bei einigen seiner Porsche von Emory Motorsports solche Kotflügel anfertigen.

Im Grunde handelt es sich bei dem 356 RSR Outlaw um kein reinrassiges Porsche 356 (B) Coupé, sondern um eine 356-Karosserie von 1960, die an eine Porsche 964 Bodengruppe angepasst wurde. Die Front und das Heck sowie die abnehmbare Haube und der Motordeckel sind dabei in Aluminium gefertigt. Auch die zusätzlichen Radlaufverbreiterungen an den Kotflügeln sind aus Aluminium.

Dann spähen wir mal durch die Makrolonscheiben in die mit einem eingeschraubten Käfig ausgestattete Fahrgastzelle. Aber Gary Emory meint einfach, warum wir so schüchtern sind und nicht einfach die Tür aufmachen. Wir sollen bloß nicht wegfahren …

Leider gibt es die auf die Tilton-Stehpedalarme montierten Momo-Pedale nicht zu kaufen, sondern sie sind (noch) eine Einzelanfertigung. Das Momo Sportlenkrad ist natürlich abnehmbar. Damit der Momo Hertiage Schaltknauf montiert werden konnte, wurde der Rothsport-Schalthebel ein wenig an der Drehbank abgedreht und ein neues Gewinde eingefräst. Beim Getriebe handelt es sich um das Getrag-Fünfgangschaltgetriebe (G50/03) von der letzten 964-Generation. Emory Motorsports hat nur noch ein Sperrdifferenzial nachgerüstet.

Auch die beiden Schalensitze ohne Kopfstützen sind eine Sonderanfertigung und die Schalen werden dabei aus Gfk laminiert. Nachdem sie lackiert und mit Schaumstoff aufgepolstert wurden, erhielten sie einen “feuerwehrroten” Stoffüberzug. Cooles Detail: Die Kunststoffseitenfenster verfügen ebenfalls über Lufteinlässe.

Der Momo 356 RSR Outlaw soll natürlich in Zukunft nicht nur irgendwo in einem Showroom Staub anlegen, sondern auch bei diversen Events wie beispielsweise den “Luftgekühlt Treffen” ausgestellt werden und was wir noch viel besser finden, auch gefahren werden. Vielleicht treffen wir ja bei unserem nächsten Besuch in den USA die “Outlaw-Gang” zu einer Tour auf der Latigo Canyon Road in den Santa Monica Mountains …

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