Gunther Werks 400R – der 525.000 US-$ Porsche 993!

Porsche 911. Ein Sportwagen. Ohne Wenn und Aber. Im Grunde spielt es eigentlich gar keine Rolle, aus welcher Dekade ein 911er ist, in seiner jeweiligen Zeit war und ist ein Porsche das Nonplusultra des (Serien)Sportwagenbaus.

KW Porsche Poster 2015.

Einige Puristen sehen das ein wenig anders. Sie vermissen den rohen, unverfälschten und ehrlichen Charakter, den in ihren Augen nur die “alten” luftgekühlten Porsche 911 haben. Wer heutzutage ein unverfälschteres, direkteres, ehrlicheres und dennoch sicheres Fahrverhalten in seinem “modernen” Porsche erleben möchte, dem helfen wir seit Jahren mit unseren KW Fahrwerkentwicklungen.

Selbst die alten “F-” und legendären “G-Modelle” profitieren dabei von unserem Engineering – kein Wunder, dass wir selbst den Porsche 911 GT3 R (991) bereits ab Werk mit unserer Rennsport-Fahrwerktechnologie ausrüsten.

Der “Über-Porsche” (in den Augen mancher Puristen)

Für eingefleischte Porsche-Fans ist der von 1993 bis 1998 gebaute Porsche 911 (993) mit seinem luftgekühltem Sechszylinder-Boxermotor der letzte wahre Porsche 911 –  als bekennender 930-Fan kann ich das nicht wirklich unterschreiben. Aber Anfang der Neunziger Jahre war ein 993 mit seinem kurzen Radstand, der – zum Glück – nur rudimentär vorhandenen Elektronik und durch seinen luftgekühlten Sechszylinderboxer-Sound schon etwas ganz Besonderes. Und da es heute keine luftgekühlten Porsche-Modelle mehr gibt, hat sich genau um diese 911 und Co. ein echter (Liebhaber)-Hype entwickelt. Für legendäre Porsche werden auf mancher Oldtimer- und Youngtimer-Messe exorbitante Kurse aufgerufen.

Manche Wunschpreise sind dabei so hoch, dass man mit einem “Back-Date” von Singer Vehicle Design (964 als Basis) oder Kaege Automobile (993 als Basis) eigentlich viel mehr für sein Geld bekommt. Wer es dagegen originalgetreuer liebt, hat bei Marlon Goldberg vom Workshop 5001 ebenfalls einen geeigneten Ansprechpartner.

Gunther Werks 400R – einer von 25 und ein echter Über-Porsche

Speziell für Porsche 993 Puristen gibt es seit kurzem einen weiteren Ansprechpartner für das pure Porsche-Fahrvergnügen: Gunther Werks aus Kalifornien. Dabei handelt es sich um eine von Peter Nam gegründete “Porsche-Schmiede”, die sich auf die Fahnen schrieb, einen spektakulären Porsche 911 auf Basis eines 993 zu bauen.

“Ich bin ein großer Porsche 911 GT3 Fan; aber die Erfolgsgeschichte des GT3 begann leider erst mit dem 996”, so Peter Nam, der kein Unbekannter in der US-amerikanischen Aftermarket-Industrie ist. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Vorsteiner. “Für viele Porsche-Puristen ist der 993 der ‘Heilige Gral’ und der beste Porsche, den Porsche jemals baute. Mit unserem Gunther Werks 400R bauen wir jetzt den ultimativen Porsche.” Als jemand der aus der Heimat des Automobils und vor allem von Porsche kommt, wird man bei einer solchen Aussage als Pistonhead natürlich hellhörig. Aber wenn ich ehrlich bin, ist schon allein der Preis für den Bau des 400R ultimativ. Rund 525.000 US-$ sind für den Wagen fällig; den Porsche 993 als Basisfahrzeug nicht mitgerechnet.

“Die Idee zum 400R entstand einfach aus meiner Begeisterung für Porsche-Fahrzeuge. Jeder in der Firma und meine Freunde hielten mich für verrückt, als ich anfing, die Pläne für den Gunther Werks umzusetzen. Wir bei Vorsteiner fertigen seit 14 Jahren erfolgreich für die verschiedensten Fahrzeuge hochwertige Aerodynamikbausätze und haben uns in dieser Zeit ein immenses Know-how aufgebaut, das wir bei Gunther Werks bündeln und so 80 Prozent des Porsche-Umbaus direkt bei uns im Haus realisieren können.”

Allein mit welcher Akribie die Amerikaner das Projekt in Angriff nahmen, ist in gewisser Weise eine Verneigung vor den Porsche-Ingenieuren und dem ehemaligen Porsche-Chefdesigner Harm Lagaay unter dessen Federführung Tony Hatters Karosseriedesign des 993 für die Serie umgesetzt wurde.

Für den ersten 400R wurde ein alter Carrera komplett demontiert und auf Basis der restaurierten Karosserie mehr als nur neu aufgebaut. Im Grunde ist ein Gunther Werks weit mehr als eine Restauration mit dem einen oder anderen Tuning- und Motorsportzubehör. Es ist die Neuinterpretation eines Porsche.

Maximal 25 Fahrzeuge der Kleinserie sollen gebaut werden und dabei sind nicht nur der Kofferraumdeckel und das Dach aus leichter Kohlefaser gefertigt. Alle Schürzen, Kotflügelverbreiterungen und auch der Heckflügel werden später aus einem Kohlefaserkompositwerkstoff sein.

 

Persönlich gefällt mir, dass die Gunther Werks Designer für ihre Porsche-Neuinterpretation nicht auf den Gedanken kamen, die originale Formensprache des 993 zu opfern. Anhand diverser Designentwürfe entstanden in aufwendiger Kleinarbeit die ersten Prototypen des neuen Karosseriebausatzes.

 

Mithilfe des Lehms wurde auf die Schablonen das endgültige Design in Originalgröße umgesetzt. Wie oft allein an den Stegen der Frontschürze der Lehm umgeformt wurde, weiß keiner der Beteiligten mehr so richtig.

Stunde um Stunde arbeiteten die Designer an der Umsetzung der Prototypen der Aerodynamikkomponenten. Das dabei passionierte Perfektionisten am Werk waren, kommt nicht von ungefähr.

Schließlich ist der Namenspatron von Gunther Werks der 1924 in Berlin geborene Günter Wendt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte der Ingenieur in die USA aus und war bis zu seinem Ruhestand mehrere Jahrzehnte bei der NASA tätig. Dort soll er wegen seiner warmherzigen und pedantischen Art nicht nur bei den Astronauten der Apollo-Missionen beliebt gewesen sein.

Herzstück des Gunther Werks 400R ist ein 4,0-Liter-Sechszylinderboxermotor. Der hochdrehende Boxer wurde von Rothsport Racing aufgebaut und dreht bis zu 7800 Touren und wuchtet so nebenbei 450 Nm und 400 PS in ein überarbeitetes und modernes Getrag-Sechsgangschaltgetriebe. Das natürlich noch ein “giftiges” Sperrdifferenzial an Bord ist, versteht sich von selbst.

Beim Fahrwerk vertraut Gunther Werks auf ein KW Clubsport 2-Way Gewindefahrwerk samt Aluminium-Unibalstützlager und rüstete dazu noch Rennsport-Stabis und PU-Buchsen nach.

Im Laufe des Umbaus beschloss Gunther Werks unser KW Clubsport Gewindefahrwerk mit einem KW HLS (hydraulischen Liftsystem) zu erweitern.

Auf Knopfdruck kann so die Karosserie während der Fahrt um bis zu 40 mm angehoben werden, falls eine Parkhausrampe für das Kohlefaser-Bodykit zu steil ausfallen sollte. Und die Frontschürze wäre doch viel zu schade, um einer Rampe zu Opfer zu fallen.

Bei den dreiteiligen Aluminium-Schmiederäder um eine Sonderanfertigung und die Pirelli P Zero Rosso Reifen messen 245/35-18 und 315/30-18. Im Zusammenspiel mit unserem KW Clubsport Gewindefahrwerk und dem Anpressdruck der Aerodynamik klebt der 911 wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass der 993 durch die Kotflügel pro Seite um etwa 30 mm in die Breite wuchs und das 35-köpfige Team von Gunther Werks über 5300 Arbeitsstunden in den 400R investierte?

Allein der Innenausbau mit dem eingeschweißten und mehrfach verstrebten Überrollbügel dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Trotz des Bügels ist der 400R kein spartanischer “Motorsport-Porsche”.

Obwohl der Gunther Werks mit seinen Motorsport-Genen und dem KW Clubsport Gewindefahrwerk wie geschaffen für Trackdays ist.

Wer mag, kann seinen 400R auch ohne Überrollbügel ordern; aber wenn ich ehrlich bin, der Überrollbügel muss sein!

Für die auf insgesamt 25 Exemplare limitierte Auflage des 400R wird es allein für das Interieur mit der Alcantara-Vollausstattung und den Carbon-Schalensitzen zahlreiche Optionen geben.

So ist es kein Problem – solange das nötige Budget vorhanden ist – das Interieur an die Farbgebung der insgesamt 18 zur Auswahl stehenden Wagenfarben anzupassen.

Nicht nur bei Puristen und bekennenden Porsche-Fans kommt der Gunther Werks 400R richtig gut an, auch die internationale Fachpresse ist von dem “Über-Porsche” begeistert. Ich kann es kaum erwarten, den “Über-Porsche” auf der SEMA 2017 von allen Seiten anzusehen. Vielleicht sollten Sidney Hoffmann und ich den 400R für ein kleines YouTube-Video ausleihen – Peter Nam wir sollten mal reden. Oder wir beknien Markus und Christian Siegwarth von ATT – TEC, denn als offizieller Vorsteiner-Importeur kann dieser KW Fachhandelspartner bestimmt auch einen “Gunther Werks 400R” in die Heimat von Porsche importieren …

Fotos Gunther Werks, Miranda Media, KW
Text N. K. Hofmeister

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